Der Kleine Vogel

Das Käfigtürchen war offen geblieben. Mit einem leichten Satz war der kleine Vogel an der Öffnung und von dort betrachtete er die weite Welt, zuerst mit einem Auge und dann mit dem anderen. Seinen winzigen Körper durchzuckte das Verlangen nach den weiten Räumen, für die seine Flügel geschaffen waren. Aber dann dachte er: “Wenn ich hinausfliege, könnten sie den Käfig zumachen und ich bleibe als Gefangener draußen.”

Der kleine Vogel machte kehrt und kurz darauf sah er mit Befriedigung, wie sich das Türchen wieder schloss, das seine Freiheit besiegelte.

(Italo Svevo)

Jesu Rezept zu Geistlichem Wachstum: Bittet, Suchet, Klopfet an

Praktischerweise hat der biblische Evangelist, den wir unter dem Namen Matthäus kennen, relativ zu Anfang seines Evangeliums ein Medley der wichtigsten und beeindruckendsten Lehren Jesu zusammengestellt. Es soll gleich zu Beginn des Berichts in Bezug auf den Protagonisten deutlich werden: Dieser Jesus von Nazareth ist anders, und er ist radikal: Er fordert, anstatt immer nur die Symptome zu bekämpfen, die Probleme bei der Wurzel (radix) anzupacken.  Für seine damaligen Zeitgenossen, letztlich ja in aller Regel Juden, hieß dies konkret: Nicht nur unter dem äußerlichen Druck eines umfassenden Regelwerks leben, sondern vielmehr die dahinterliegenden Konzepte verinnerlichen. Und während sich der größte Teil der Bergpredigt um die Grundsätze zwischenmenschlichen Miteinanders dreht, gilt dieses Prinzip auch für die Erfahrbarkeit der Hilfe Gottes in der Gebetserhörung. So sagt Jesus laut Mt.7,7-11:

»Bittet und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Wer von euch würde seinem Kind einen Stein geben, wenn es um Brot bittet? Oder eine Schlange, wenn es um Fisch bittet? So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern gut tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten.«

Überschrieben ist dieser Abschnitt in der Gute Nachricht Bibel mit “Voll Vertrauen zu Gott beten”. Doch neben dem Vertrauen fordert Jesus implizit auch noch das Vorhandensein einer zweiten Eigenschaft: Beharrlichkeit. Interessanterweise sind es auch gerade diese beiden Charakterzüge, welche die ersten Jünger Jesu kennzeichnen: Vertrauensvoll folgen sie dem Fremden auf sein Wort und lassen dabei alles — ihre Familie, ihren Beruf, ihr Heim — zurück. Beharrlich bleiben sie bei ihrem Rabbi, selbst als dieser am Ende hingerichtet wird — und auch später werden sie noch zusammenhalten und derart begeistert seine Lehren weitertragen, dass selbst grausamste Repressalien sie nicht einschüchtern können. Doch ich greife vor.

Jesus stellt in dem obigen kurzen Bibelabschnitt einen auf den ersten Blick einleuchtenden Vergleich auf: Wenn schon seine Zuhörer (bzw. die Leser, die sich nach der Vorrede ihrer eigenen Unvollkommenheit bewusst sein dürften) ihren Kindern keinen berechtigten Wunsch abschlagen würden, obwohl sie sonst so oft moralisch fragwürdig handeln, dann spricht alles dafür, dass Gott uns jeden unserer Wünsche, den wir an Ihn herantragen, erfüllt. Das aber widerstrebt deutlich unseren gemachten Erfahrungen. Wie oft bitten wir Gott im Gebet reinen Herzens um etwas, das für uns oder andere lebensnotwendig ist (z.B. Gesundheit), und bekommen doch die “Schlange” (werden bzw. bleiben also krank).

Was Jesus eigentlich gemeint haben könnte, wird im Evangelium des Lukas deutlicher, das sich letztlich aus der gleichen Quelle bedient. Dennoch geht das Zitat über den von Matthäus überlieferten Text hinaus. So heißt es hier:

Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Stellt euch vor, einer von euch geht mitten in der Nacht zu seinem Freund und bittet ihn: Lieber Freund, leih mir doch drei Brote! Ich habe gerade Besuch von auswärts bekommen und kann ihm nichts anbieten. Würde da der Freund im Haus wohl rufen: Lass mich in Ruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder liegen bei mir im Bett. Ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch, wenn er auch nicht gerade aus Freundschaft aufsteht und es ihm gibt, so wird er es doch wegen der Unverschämtheit jenes Menschen tun und ihm alles geben, was er braucht. Deshalb sage ich euch: Bittet und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange geben würde, wenn es um einen Fisch bittet? Oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet? So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern gut tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.«

Neben den interessanten Andeutungen in Bezug auf die orientalische Gastfreundschaft und die Überwältigungskraft der Unverschämtheit ist natürlich für unsere Betrachtung vor allem der letzte Satz wichtig. Es ist auffällig, dass in diesem Satz bei Matthäus die Konkretion einfach fehlt — davon abgesehen handelt es sich doch in der zweiten Hälfte des Textabschnitts lediglich um eine andere Wortwahl.

Laut dieser Parallelstelle geht es also bei der Zusage Jesu, Gott werde unsere Bitten erhören, um geistliche und eben nicht um natürliche Gaben: “Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!” Gott schenkt uns also die Gaben des Heiligen Geistes (Charismata), wenn wir nur ernsthaft darum ringen. Und dies bedeutet für Jesus — es gilt das gleiche wie für die anderen Aspekte der Nachfolge — vor allem: Konsequenz im Handeln.

In diesem Licht macht die Zusage der Gebetserhörung für mich schon sehr viel mehr Sinn. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass diese Verheißung den Mitgliedern der urchristlichen Gemeinde viel Kraft gegeben hat. Kraft, durch die sie wiederum konsequent den Weg ihres Glaubens zu gehen im Stande waren, selbst im Angesicht der tödlichen Gefahren, die ihnen gerade aufgrund ihres Glaubens drohten.

So ist Paris

Also, ungefähr so. Obwohl dieser Trailer leider natürlich auf das Massenpublikum zugeschnitten ist, und daher ziemlich billig wirkt. Denn dieser wundervolle Episodenfilm von Cedric Klapisch (“L’Auberge Espagnol”) schildert voller Liebe und dennoch mit Scharfblick das Leben in Frankreichs Metropole. Und bleibt dabei: Kritisch und nachdenklich. An keiner Stelle langatmig, im Gegenteil: Man möchte mehr wissen über die Charaktere. An vielen Stellen tieftraurig, aber im nächsten (nein, im gleichen) Moment auch irgendwie komisch. Und immer leicht und… liebevoll. So ist Paris.

Barbara W. Tuchman: A Distant Mirror

Ich darf mich glücklich schätzen, in George R. R. Martins auf sieben Bände angelegten Romanzyklus “A Song of Ice and Fire” erst mit Erscheinen des dritten Bandes eingestiegen zu sein. Seit 2006 warte ich nun auf den fünften Teil, und während der Autor auf seiner Website keine Versprechen mehr machen will, das Buch 2008 fertigzustellen, hoffe ich doch stark, nicht bis — wie von amazon.com avisiert — 2013 warten zu müssen (amazon.de nennt immerhin den 31.12.2009 als möglichen Erscheinungstermin). Und so vertreibe mir solange die Wartezeit mit anderweitiger Literatur der gleichen Kragenweite, also: mit Büchern, die das Leben im Hoch- bzw. Spätmittelalter lebendig, spannend und trotzdem realitätsnah darstellen können.

Wirklich excellent und wegen der inhaltlichen Nähe zum “Song of Ice and Fire” den Lesern Martins sehr zu empfehlen ist Sharon Kay Penmans “The Sunne in Splendour”, das entgegem dem Untertitel der Neuausgabe nicht nur Richard III., sondern die Rosenkriege insgesamt thematisiert. Dabei informiert der historische Roman nebenbei nicht nur über mittelalterliche Kriegstaktiken, sondern vor allem auch sehr kompetent über höfisches Leben und politische Einflußmöglichkeiten der Monarchen. Doch bleibt das Buch bei aller Wirklichkeitstreue immer im Bereich der Fiktion.

Anders dagegen das Werk von Barbara W. Tuchman mit dem Titel “A Distant Mirror: The Calamitous 14th Century”. Hier wird ein echtes Geschichtslehrbuch derart eloquent und humorvoll aufbereitet, dass man schnell vergisst, hier eben keinen Roman vor sich zu haben. Virtuos verknüpft Tuchman Geschehnisse, Daten und Personen, wobei sie zwar beobachtet und bewertet, aber gleichzeitig derartig chronologisch stringent vorgeht, dass ein echter Spannungsbogen entsteht.

Im Mittelpunkt steht Enguerrand VII. de Coucy, dessen Leben laut Tuchman ausreichend dokumentiert, aber trotzdem halbwegs typisch für das 14. Jahrhundert gewesen ist. Doch bis diese Hauptfigur überhaupt die Bühne betritt, ist der Leser bereits in Kapitel 7 angekommen. In der Zwischenzeit wird er in kurzen Exkursen über die Lebensverhältnisse im Frankreich des ausklingenden Spätmittelalters ins Bild gesetzt, wobei die übermittelten Informationen tiefgehend genug sind, um den wissbegierigen Leser zufriedenzustellen, aber gleichzeitig derart komprimiert, dass sie auch für ungeduldige Naturen kurzweilig bleiben.

Dennoch: Um sich durch die knapp 600 Seiten (ohne Bibliographie und Endnoten) hindurchzuarbeiten, sollte schon ein gewisses Grundinteresse für diesen Zeitabschnitt vorhanden sein. Denn anders als “The Sunne in Splendour” und erst recht “A Song of Ice and Fire” kann sich Tuchman kaum dramaturgischer Kniffe bedienen, um künstlich Spannung aufzubauen. Zudem findet sich wörtliche Rede naturgegebenermaßen nur in Ausnahmefällen, wobei die Autorin es schafft, sie adäquat durch Zitate aus den Werken diverser zeitgenössischer Chronisten zu ersetzen. Es bleibt ein faszinierender Spiegel in eine versunkene Welt, deren Denker und Herrscher das Fundament für unser heutiges Europa gelegt haben.

Dezentrales Task- und Terminmanagement mit Thunderbird

Mozilla Thunderbird hat mir in den vergangenen Jahren als Email-Client bereits gute Dienste geleistet. Als ich mich im Rahmen meiner Zen to Done-Initiative nun nach einer Anwendung umgesehen habe, mit der ich meine Aufgaben und Termine komfortabel verwalten kann, kam mir als allererstes Chandler in den Sinn. Dieses Tool unterstützt die Getting-Things-Done-Methodik von Grund auf und wurde vom Lotus-Gründer Mitch Kapor ins Leben gerufen. Leider kann Chandler aber nicht so wirklich mit Google Calendar zusammen, mit dem ich meine Termine zu pflegen geruhe. Soll heißen: Ich kann zwar die Termine aus meinen Kalendern abrufen, aber keine neuen Termine in Chandler erstellen, um sie in Richtung Google Calender zu senden. Das hilft mir also nicht weiter. Rainlendar war mein zweiter Gedanke, doch der ist zu ressourcenhungrig, als dass ich auf meinem Arbeitsplatzrechner große Freude damit hätte.

Aber da war doch mal… Sunbird, oder so ähnlich? Ja, es gibt das Kalendertool von Mozilla noch immer, auch wenn das Projekt vor drei Jahren, als ich mich zuletzt dafür interessiert hatte, kurz vor dem Aus zu stehen schien. Und nicht nur Sunbird, auch das begleitende Thunderbird-Add-on Lightning (das früher irgendwie mal anders hieß) ist nicht nur immer noch quicklebendig, sondern darüberhinaus auch erwachsen geworden.

Die Verquickung von Email-Client mit Terminmanager hat mehrere Vorteile. Am wichtigsten finde ich, dass man aus den eingehenden Mails im Handumdrehen gleich Tasks oder Termine machen kann, indem man sie auf die entsprechende Schaltfläche zieht. Ein netter Nebeneffekt ist, dass nicht noch ein Fenster zusätzlich offen sein muss.

Leider ist die Integration von Google Calendar dann doch nicht so einfach wie gedacht — aber im Gegensatz zu Chandler immerhin möglich. Lightning ist durch sog. Provider an jede denkbare Datenquelle/-senke koppelbar. Und natürlich gibt es bereits einen Provider für Google Calendar als Add-on für Thunderbird.

Bleibt nur ein Problem: Während Lightning mit Aufgaben eine komfortable Verwaltung von To-Do-Listen ermöglicht, kennt Google Calender keine Tasks, sondern nur Events. Das könnte man jetzt als Schönheitsfehler abtun, aber wir wollen hier ja das vorhandene Potential ausschöpfen. Und überhaupt hatte ich mir ja gerade deswegen schon vor Längerem einen Account bei RememberTheMilk.com registriert. Und siehe da, nachdem ich fix noch einen Remember the Milk Provider installiert habe, klappt’s auch mit den Aufgaben. MacGyver wäre stolz auf mich.

Das Ganze mag einem zunächst ja ein bisschen wie notdürftig zusammengeflickt vorkommen. Ich würde aber eher von konfigurierbaren Softwarekomponenten sprechen, die alle genau das tun, was man von ihnen erwartet (und nur das), darüberhinaus aber auch noch miteinander gekoppelt werden können. Eine monolithische Lösung mag zwar an sich effizienter sein, aber tut nicht unbedingt das, was ich will. Und damit bremst sie dann doch wieder die Produktivität.

Beteiligte Akteure:

Franz-Benno Delonge: Fjorde

Franz-Benno Delonge ist schon seit langem einer der Spieldesigner, deren Spiele ich unbesorgt kaufen kann, ohne sie Probespielen zu müssen — ich weiß, sie werden mir gefallen. Gerade die kleinen Spiele wie Trans America sind einfache, unkomplizierte Pausenfüller, die aber durchaus taktischen Tiefgang bieten. In diese Kategorie fällt auch das Zweispielerspiel Fjorde, welches bei Hans im Glück erschienen ist.

Franz-Benno Delonge: FjordeDas Spiel besteht aus drei Runden, von denen jede in zwei Spielabschnitte zerfällt: In der ersten Phase wird von beiden Spielern jeweils abwechselnd eines der 40 sechseckigen Landschaftsplättchen verdeckt gezogen und angelegt. Meer, Gebirge und Ackerland müssen genau passen, zudem muss das neue Spielteil mit zwei seiner Kanten bereits ausgelegte Plättchen berühren. Sollte sich keine Möglichkeit zum Anlegen ergeben, wird das Teil in die offene Auslage getan, und zieht erneut — solange, bis er legen kann. Alternativ darf er auch eines der Teile aus der offenen Auslage nehmen und anlegen. Auf das gelegte Teil kann er dann einen seiner vier Bauernhöfe stellen. Diese Entdeckungsphase ist abgeschlossen, sobald das letzte verdeckte Landschaftsplättchen aufgedeckt worden ist.

Nun kommt der Eroberungsteil: Ausgehend von den eigenen Bauernhöfen legen die Spieler wiederum jeweils abwechselnd ihre Felder an — natürlich nur auf dem Ackerland. Da Felder einer Farbe direkt aneinander angrenzen müssen, sollte man versuchen, dem Gegner möglichst viel Land abzuknöpfen und gleichzeitig Gebiete durch geschickte Legetaktiken abzuriegeln, um sie später auszufüllen. Am Ende der Runde (siehe Bild) wird dann für beide Spieler die Anzahl der gelegten Felder (die runden Spielsteine) gezählt. Gewinner ist, wer in den drei gespielten Runden die meisten Felder legen konnte.

Fjorde ist ein kurzweiliges Taktikspiel mit einfachen Regeln für 2 Spieler ab 8 Jahren. Die Spieldauer für ein komplettes Spiel beträgt etwa 30-45 Minuten. Die Spielsteine sind hochwertig verarbeitet und machen auch etwas für’s Auge her. Vergleichbar ist das Spiel in der ersten Phase (natürlich) mit Carcassonne, während der zweite Spielabschnitt Ähnlichkeiten zu einem stark vereinfachten Go aufweist. Sehr empfehlenswert!

Klaus Berger: Glaubensspaltung ist Gottesverrat

Es gibt Bücher, die bleiben, während andere an ihnen vorbeiziehen, lange Zeit auf dem ersten Platz der Queue “Unbedingt als nächstes lesen” stehen. Nicht, weil man sie eigentlich doch nicht so gern lesen will, sondern da man weiß, dass man sich auch wirklich dezidiert Zeit dafür nehmen müsste. Vier Monate lang immer nur die selben dreieinhalb Seiten vor dem Einschlafen zu lesene, um sie am nächsten Morgen wieder vergessen zu haben (wie bei Tintentod), ist bei manchen Büchern einfach nicht drin. Bei mir fallen die meisten Kandidaten für dieses Phänomen des Leseaufschubs in die Kategorie “Sachbücher” — “The Purpose Driven Life” von Rick Warren ist etwa so ein Fall.

Ein anderes Buch, welches seit letztem Herbst schon das Regal ziert, jetzt aber aus aktuellem Anlass endlich mal zur Hand genommen und durchgearbeitet wird, ist “Glaubensspaltung ist Gottesverrat” von Klaus Berger. Das Vorwort und die beiden einleitenden Kapitel habe ich letzte Woche mehrfach gelesen und beschlossen, hier nicht nur eine einfache Rezension zu liefern (denn das hat auch Folkmar auf der Website von ad fontes schon ganz gut geschafft), sondern vielmehr die einzelnen Argumente zu präsentieren und zu diskutieren.

“Der Skandal ist nicht nur die Spaltung, der größere Skandal ist, dass Christen sich quer durch alle Konfessionen damit abgefunden haben. Dem Verrat am expliziten Willen Jesu muss endlich Einhalt geboten werden. Ich versuche zu zeigen, wie das geschehen kann.”

Dieser Klappentext macht Lust auf mehr, und als ich am Freitagabend das Buch aufschlug, fiel er mir nochmals besonders in’s Auge — fasst er doch auch perfekt zusammen, was ich selbst zwei Tage zuvor geschrieben hatte. Darüberhinaus ist der Exeget Klaus Berger eine, wie er selbst schreibt, ökumenische Person: Katholisch im Herzen, im Denken dagegen eher evangelisch, in der Lehre jedoch ganz der Heiligen Schrift verpflichtet. Sein Buch wider die Kirchen-, ja, Glaubensspaltung thematisiert also im Hintergrund auch die Selbstspaltung, von der all jene betroffen sind, die sich nicht durch eine Dogmatik binden lassen wollen, sondern ein Verbundensein im Glauben anstreben.

Das klingt spannend, vor allem, da Berger den Untertitel “Wege aus der zerissenen Christenheit” gewählt hat, der hoffen lässt, es würden Lösungen präsentiert. In den nächsten sechs Wochen werde ich hier Stück für Stück über das Buch berichten.

Update: Gelesen habe ich das Buch zwar in der oben angegebenen Zeit, allerdings blieb dann für eine Aufarbeitung hier keine Zeit mehr. Und weil ich nicht nochmal Versprechen abgeben möchte, die ich dann nicht halten kann: Ich hoffe, dass sich hier bald ein Artikel über das Buch findet.

Weezer: Pork and Beans

Freitag mittag, die Sonne scheint: Zur Einstimmung auf das nahende Wochenende gibt es mal was zur Entspannung: Das Video zum neuen Song von Weezer.

Wer die über YouTube verbreiteten Internet-Memes und viralen Videos verfolgt, dem dürfte ein Großteil der Akteure des neuen Weezer-Clips bekannt vorkommen. Weezer ist im Übrigen seit ihrem ersten Hit irgendwie mit dem IT-Umfeld verbandelt. So waren sie etwa auf den Windows95-CDROMs dabei — mit dem Video zu “Buddy Holly”.

Cornelia Funke: Tintentod

Ende letzten Jahres ist der finale Roman der Tintenwelt-Trilogie von Cornelia Funke erschienen. Tintenherz, Tintenblut, Tintentod — das verheißt je nach Sichtweise eine gewisse Steigerung oder aber ein grausames Ende. Dass beide Vermutungen nicht zutreffen, beweist erneut, dass man auf Namen nicht allzuviel geben sollte. Inhaltlich gibt es an den Bänden auf den ersten Blick zwar nicht viel auszusetzen: Klassische Jugendromane, in der ein allwissender Erzähler die Abenteuer einer jugendlichen Heldin und ihrer Familie und Freunde beschreibt. Gerade im ersten Band, aber auch bei der Ausgestaltung der Tintenwelt der Sequels zeigt die Autorin jedoch viele innovative Ideen — abgedroschene Fantasy-Klischees sucht man vergeblich, selbst der Vergleich zu Harry Potter greift nicht. Dies kann man Cornelia Funke zu einer Zeit, in der der Jugendbuchmarkt von Potter-Klonen überschwemmt wird, nicht hoch genug anrechnen.

Zum Inhalt: It’s complicated. Eine komplette Inhaltsangabe würde den Rahmen sprengen. Da der Artikel sowieso schon zu lang wird und es sich darüberhinaus bei Tintentod um den letzten Band einer Reihe handelt, darf ich vorraussetzen, dass dem Leser die vorgefallenen Ver- und Entwicklungen bekannt sein werden. Nur so viel: Hauptfigur der Bücher ist Meggie (ca. 14 Jahre alt), Tochter von Resa und Mo, dem Buchbinder. Die drei hat es in die Tintenwelt verschlagen, in der es von fantastischen Lebewesen nur so wimmelt — und leider auch von Fieslingen, welche die anderen Bewohner ausbeuten. Weil sie zunächst Gefallen an der Welt finden, und später Mitgefühl für deren unterdrückte Bewohner empfinden, bleiben die drei und werden in einen Machtkampf mit den finsteren Herrschern der Tintenwelt verwickelt. Es geht um Leben und Tod, nebenbei auch ein bisschen um Liebe, und auch ethische sowie philosophische Fragen werden am Rande angeschnitten. Soweit, sogut.

Es begann mit Tintenherz — beileibe nicht dem ersten Buch von Cornelia Funke, und auch nicht dem ersten erfolgreichen, aber doch dem ersten, bei dem sich ihr Erfolg nicht auf die Kinderbuchregale beschränkt hat. Wenn ein Autor mit einem Buch überraschend Erfolg im Mainstream hat, und dann schnell noch ein paar weitere Bände nachlegt, ist mein Argwohn immer groß. Eine gute Geschichte lässt sich nun mal nicht so einfach “verlängern” — die Stellen, an denen neue Teile an das Original angeflickt wurden, bleiben deutlich sichtbar, und sie sind oft ziemlich hässlich. Das kann dann sogar den Ausgangsroman in Mitleidenschaft ziehen. Und meistens ist es ja sowieso am besten, genau in dem Moment aufzuhören, wenn es gerade am schönsten ist.

Anders verhält es sich natürlich, wenn der Plot schon von vornherein auf mehrere Bände angelegt ist. Der drei Bände umfassende “Baroque Cycle” von Neal Stephenson ist so ein Fall. Gleiches gilt auch für das siebenteilige Epos “A Song of Ice and Fire” von George R.R. Martin. Martin arbeitet momentan am fünften Band, auf den seine Leser seit drei Jahren sehnsüchtig warten — weil sie wissen, dass die Geschichte organisch weitergehen und nicht künstlich gestreckt wird.

Am Ende von Tintenherz war auch die Geschichte zuende. Der Schluß ist sauber, die Auflösung endgültig. Leider kamen noch zwei Bücher nach. Als ich also 2005 mit Tintenblut die Fortsetzung in den Händen hielt und anfing zu lesen, ahnte ich, was mir blühen würden. Das Böse war doch noch nicht überwunden und hatte ein großes Comeback. Da die Finsterlinge in der Menschenwelt des ersten Bandes aber schon besiegt wurden, mussten die Protagonisten nun in die fantastische Tintenwelt eintauchen; eine Einleitung, für welche die Autorin bereits 200 Seiten benötigte — vielleicht das deutlichste Anzeichen, das auf ein übermäßig kompliziertes Flickwerk hindeutete. Danach war mir die Lust am Lesen eigentlich vergangen. Ich quälte mich noch ein wenig weiter, überblätterte viel und legte das Buch schließlich zugunsten eines anderen beiseite, offensichtlich ohne das Ende je gelesen zu haben.

Dessen wurde ich allerdings erst bewußt, als ich vor kurzem mit Tintentod, dem 2007 erschienenen letzten Band der Trilogie, begann (nachdem ich ihn ein halbes Jahr immer wieder aus der Hand gelegt hatte). Mehrfach gab es Hinweise auf gewisse mir vollkommen unbekannte Geschehnisse, wodurch mir zumindest eine dunkle Ahnung aufging, was auf den letzten 200 Seiten von Tintenblut passiert sein musste. Doch das störte mich nicht. Viel größer war meine Sorge, das Dilemma der Entscheidung um einen Schauplatz könnte sich wiederholen. Doch dem war nicht so, der Roman spielt fast ausschließlich in der Fantasiewelt. Zwar wird noch zwei- oder dreimal im Erzählstrang zwischen Menschen- und Tintenwelt hin- und hergewechselt, aber dann beschließt die Autorin, das noch in der Menschenwelt verbliebene Personal nachzuholen. Wozu, bleibt ihr Geheimnis, denn für die Geschichte haben die Betreffenden leider keinerlei Funktion, sie bleiben Staffage. Aber solange sich die Erzählung auf eine Welt beschränkte, funktionierte sie hervorragend, wie sich sowohl in Tintenherz als auch dem größten Teil von Tintentod beobachten lässt.

Warum ist das so? Meine Theorie dazu ist folgende: Der Wechsel zwischen zwei Welten ist kein kleiner Eingriff in eine Geschichte. Er kann bei leichtfertigem Einsatz schnell zu einem billigen Taschenspielertrick verkommen. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn Protagonisten grundlos die Welten tauschen, ohne dass dafür eine dringende inhaltliche Notwendigkeit gegeben ist. Zwei Gegenbeispiele, die zeigen, wie man dieses erzählerische Konstrukt stilsicher, souverän und sorgsam zum Gewinn einer Geschichte einsetzen kann, sind Philip Pullmans “His Dark Materials”-Trilogie, die aus der Not eine Tugend macht und Michael Endes “Unendliche Geschichte”, die mit der Überschreitung der Grenze zwischen den Welten ihren Wendepunkt erreicht.

An diesen beiden Beispielen wird auch deutlich: Was von Anfang an eingeplant und integriert wird, wirkt später nicht künstlich aufgesetzt. Doch gegen diese Maxime verstoßen die Tintenwelt-Romane nicht nur in Bezug auf das bewusste “Hinüberlesen” von Personen (welches im ersten Buch nur ganz ungewollt, ja, zufällig möglich ist), sondern im letzten Band auch durch die willentliche Erweiterung oder Veränderung der Geschichte durch die Protagonisten. Denn leider erschafft im Gegensatz zur “Unendlichen Geschichte” nicht die Erzählung ihre Figuren, sondern die Figuren manipulieren die Erzählung; und zwar nicht unbewußt wie ein Bastian Balthasar Bux, sondern durchaus mutwillig. Nicht uneingeschränkt — ein Glück! Doch hat mich dieser erzählerische Rettungsring, der die Hauptfiguren immer wieder in letzter Sekunde aus drohenden Gefahren errettet, nicht überzeugt. Allein, dass auch das Böse in Tintentod von diesem Hilfsmittel regen Gebrauch machen darf, erhält die Spannung aufrecht. Letztlich hatte ich beim Lesen des zweiten wie auch des dritten Bandes häufiger den Eindruck, Cornelia Funke ringe mit sich selbst. Der ewig unter Schreibblockade leidende Schriftsteller Fenoglio, dem die gottgleiche Macht gegeben ist, mit einigen wenigen Worten die Welt maßgeblich zu verändern — ist sie es nicht, die Autorin?

Doch lassen wir diese rein technischen Aspekte mal hinter uns und kommen zum eigentlichen Leseerleben. Einige Sätze zuvor fiel bereits das Wort “Spannung” — eigentlich dem Motivationsfaktor zum Weiterlesen schlechthin. Und gerade davon gibt es in diesem Buch glücklicherweise reichlich. Denn während die Protagonisten in den ersten beiden Bänden es letztlich nur mit zwar sehr bösen aber eher mäßig mächtigen Menschen zu tun haben, stehen sie in Tintentod einer wahren Übermacht gegenüber: einem zornigen Gott, der einzelne Personen der Tintenwelt (zu denen die Hauptfiguren ja nun auch geworden sind) gezielt vernichten möchte, um sich so seine uneingeschränkte Macht zu sichern. Dieses Ausgesetztsein des Personals drängt den Leser zum Weiterlesen — auch wenn Cornelia Funke leider nicht den Mut aufbringen mag, sich (dauerhaft) von Personen der Fraktion der Guten zu trennen. Doch auch, dass Totgeglaubte beider Seiten nochmals zurückkehren, hält den Leser in Atem. Ja, die letzten 100 Seiten werden zu einer wahren tour de force und verlangen, in einem Stück gelesen zu werden. Und am Ende ist man wieder versöhnt. Mit der Tintenwelt, aber vor allem auch mit Cornelia Funke. Und es ist wie so oft: man will doch bleiben…

Google Reader empfiehlt…

Berufsbezogene Blogs, die mir Google Reader bis jetzt bereits erfolglos empfohlen hat, meist auch noch mehrfach:

  • Taxifahrerblog
  • Pizzadienstblog
  • Totengräberblog
  • Kinderarztblog
  • Buchhändlerblog
  • Elektronikfachhändlerblog
  • Lehrerblog
  • Kellnerblog
  • Hausmeisterblog
  • Reisebüro… äh… Wie nennt man diese Leute? Berater? Naja, so ein Blog eben.

Nun warte ich natürlich schon sehnsüchtig auf die ersten Müllwerker, Sachbearbeiter, Raumpfleger, Zugbegleiter, Fleischereifachverkäufer, Callcenteragenten und Ordnungsamtsaußendienstmitarbeiter, die mich endlich an ihrem spannenden Berufsleben teilhaben lassen.

Darüberhinaus sind mir natürlich auch schon Zillionen von Produktivitätsblogs empfohlen worden. Das kann doch kein Mensch jemals lesen! Zumal es ja auch gar keinen Sinn machen würde, da sie größtenteils die ewig gleichen Tipps reiterieren. Vielleicht der eigentliche Sinn wie auch das Erfolgsgeheimnis dieser Onlineperiodika: Da der Leser ja offensichtlich gerade nicht produktiv ist, benötigt er wohl Abhilfe — oder zumindest die Illusion, er müsse nur ein paar Gewohnheiten ändern, um diesen Zustand zu ändern; so einfach ist das!

Um es klar und deutlich zu sagen: Dass es viele langweilige und blödsinnige Blogs gibt, war mir klar. Dieses hier gehört ja für die meisten Menschen auch zu dieser Gruppe. Und sicher wäre es mir lieb, wenn beizeiten neue Leser auf geeignete Weise darauf aufmerksam gemacht würden. Aber dann doch bitte auch solche, die sich für die Hauptthemen (Bücher, Musik, Filme, Religion) interessieren.

Das Empfehlungssystem von Google Reader ist jedenfalls noch nicht so toll. Vermutlich würde es schon helfen, wenn man die Benutzer dazu bringen würde, ihre abonnierten Feeds zu kategorisieren (einheitlich) und auf einer Beliebtheitskala zu sortieren. Anreiz auf Nutzerseite wäre dabei eine wesentlich übersichtlichere Präsentation neuer Artikel bei vielen Feeds.

Für weitere Empfehlungen bin ich natürlich immer dankbar. Und über das, was ich gern lesen mag, geben die von mir empfohlenen Artikel aufschluss (die sich seit eben übrigens auch ganz unten in der Sidebar finden lassen). Die komplette Blogroll kommt dann auch noch irgendwann.